451,4 Millionen Pakete wurden 2025 in Österreich transportiert, um 5,0 Prozent mehr als im Jahr davor. Das geht aus dem Post Monitor der Regulierungsbehörde RTR hervor: 415,6 Millionen davon wurden im Inland zugestellt, 35,8 Millionen gingen ins Ausland. Wie viel Kohlendioxid dabei entsteht, hängt weit weniger am Fahrzeug als an zwei Fragen, die der Versender selbst beantwortet: Wie oft muss ein Paket zugestellt werden, und kommt es wieder zurück?
Woher die Emissionen eines Pakets kommen
Eine allgemeingültige Zahl für „das CO2 eines Pakets“ gibt es nicht, und wer eine nennt, verschweigt meist die Annahmen dahinter. Die Spannweite in der Fachliteratur reicht von rund 60 Gramm bis über ein Kilogramm pro Sendung. Der große Unterschied entsteht nicht bei der Strecke vom Verteilzentrum in den Ort, sondern auf den letzten Kilometern und danach.
Das deutsche Umweltbundesamt hat für seine Roadmap zur Ökologisierung des Onlinehandels drei Posten getrennt untersucht: die letzte Meile, die Versandverpackung und die Retouren. Das Ergebnis ist bemerkenswert deutlich: Je nach Einkauf lassen sich zwischen 18 und 98 Prozent der Treibhausgasemissionen einsparen, ohne dass ein einziges Paket weniger verschickt wird. Es geht also nicht um Verzicht, sondern um die Organisation des Versands.
Warum drei Zustellversuche so teuer sind
Ein Zusteller, der eine Adresse dreimal anfährt, legt die gleiche Strecke dreimal zurück, verbraucht dreimal die Standzeit und blockiert dreimal Kapazität in der Tour. Genau hier entsteht der Sprung von wenigen hundert Gramm auf über ein Kilogramm CO2 pro Sendung. Jede Zustellung, die beim ersten Versuch klappt, ist deshalb die wirksamste Einzelmaßnahme überhaupt.
Was die Zusteller in Österreich tatsächlich umgestellt haben
Die vier großen Paketdienste in Österreich sind unterschiedlich weit. Vor allem unterscheiden sie sich darin, ob ihre Klimaaussage auf echter Umstellung der Flotte beruht oder auf zugekaufter Kompensation.
Die Österreichische Post stellt seit Juni 2026 in Wien vollständig emissionsfrei zu, mit rund 1.000 Elektrofahrzeugen, die jährlich etwa 8 Millionen Kilometer rein elektrisch zurücklegen und damit rund 2.300 Tonnen CO2 vermeiden. Wien ist damit die erste europäische Millionenstadt mit lokal CO2-freier Zustellung; Graz, Innsbruck und Salzburg waren früher dran. Österreichweit sind über 6.000 E-Fahrzeuge im Einsatz, allein in die Wiener Umstellung flossen 32 Millionen Euro für Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur. Bis 2030 soll die gesamte letzte Meile im Land ohne direkte CO2-Emissionen auskommen. Parallel dazu bewirbt die Post ihre Zustellung seit 2011 als CO2-neutral, wobei der Rest, der sich noch nicht elektrifizieren lässt, über zertifizierte Klimaschutzprojekte ausgeglichen wird.
DPD Austria stellt St. Pölten seit Juni 2025 zu 100 Prozent elektrisch zu. Sieben elektrische Mercedes-Sprinter fahren vom Depot Pöchlarn aus und bringen monatlich mehr als 20.000 Pakete in die Stadt, in der Fußgängerzone übernehmen elektrische Cargo-Bikes. Perg in Oberösterreich wird bereits seit April 2022 rein elektrisch beliefert. GLS hat 2018 als erster Paketdienst in Österreich mit E-Scooter-Zustellung begonnen, in Graz und Innsbruck. Seit 1. September 2024 werden der erste und zweite Wiener Bezirk im Projekt „Zero Emission Transport“ der Wirtschaftskammer Wien emissionsfrei beliefert. Hermes setzt in Österreich vor allem auf sein Netz aus rund 1.700 PaketShops und stellt Privatkundensendungen seit November 2021 ohne Aufpreis rechnerisch CO2-neutral, über Kompensation.
| Anbieter | Emissionsfreie Zustellung in | Klimaaussage beruht auf |
|---|---|---|
| Österreichische Post | Wien, Graz, Innsbruck, Salzburg | E-Flotte plus Kompensation für den Rest |
| DPD | St. Pölten, Perg | E-Flotte in einzelnen Städten, Kompensation |
| GLS | Wien 1. und 2. Bezirk, Teile von Graz und Innsbruck | Teilelektrifizierung plus Kompensation (KlimaProtect) |
| Hermes | keine flächendeckende Angabe für Österreich | überwiegend Kompensation |
Die Ansätze dahinter sind branchenweit dieselben und keineswegs auf Paketdienste beschränkt: Routen bündeln, Leerfahrten vermeiden, Flotten elektrifizieren, Schiene und Straße kombinieren. Der Logistik-Cluster Baden-Württemberg fasst beim Thema nachhaltige Logistik acht solcher Strategien zusammen, von der Routenplanungssoftware über alternative Antriebe bis zum intermodalen Transport. Für Unternehmen, die selbst regelmäßig versenden, ist der Punkt „Lieferungen bündeln“ der mit Abstand kostenwirksamste, weil er Emissionen und Porto gleichzeitig senkt.
Warum „klimaneutral“ ab 27. September 2026 anders klingt
Bisher konnte ein Paketdienst sein Angebot als klimaneutral bewerben, wenn er die anfallenden Emissionen über Zertifikate ausgeglichen hat. Das endet. Die EU-Richtlinie 2024/825, meist als EmpCo-Richtlinie bezeichnet, gilt ab dem 27. September 2026 und untersagt Aussagen wie „klimaneutral“, wenn sie ausschließlich durch den Erwerb von CO2-Zertifikaten zustande kommen. Erlaubt bleiben klimabezogene Aussagen, die sich auf tatsächliche Reduktionen in der eigenen Wertschöpfungskette stützen. Wer weiterhin kompensiert, muss künftig offenlegen, welcher Teil auf eigene Maßnahmen entfällt und welcher auf externe Projekte. Bei Verstößen drohen Geldbußen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes.
Praktisch heißt das: Zwei Angebote, die heute beide mit demselben grünen Etikett werben, werden im Herbst unterscheidbar. Wenn Sie beim Anbietervergleich ohnehin auf Preis und Laufzeit schauen, lohnt es sich ab jetzt, eine dritte Spalte im Kopf zu führen - stützt sich der Klimaanspruch auf umgestellte Fahrzeuge oder auf gekaufte Zertifikate?
Die Zustelladresse ist der größte Hebel, den Sie selbst haben
Die gebündelte Zustellung an einen Paketshop verursacht im Schnitt 25 Prozent weniger CO2 als die Zustellung an die private Haustür. Der Grund ist simpel: Der Zusteller fährt eine Adresse an statt dreißig, und niemand steht vor einer verschlossenen Tür.
Das Umweltbundesamt beziffert das Potenzial noch höher. Steigt die Quote der Zustellungen an Paketshops und Abholstationen von 13 auf 40 Prozent, spart das mindestens 20 Prozent der Emissionen pro Einkauf. Würden alle Pakete an Abholpunkte gehen, wäre nur noch etwa ein Viertel der heute unterwegs befindlichen Zustellfahrzeuge nötig.
Die Infrastruktur dafür ist in Österreich gerade sprunghaft gewachsen. Ende 2025 gab es hierzulande rund 6.860 Paketboxen, mehr als doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Die Post allein betreibt rund 640 Selbstbedienungs-Abholstationen mit fast 120.000 Abholfächern sowie etwa 77.500 Empfangsboxen an privaten Adressen. Eine Abholstation im Umkreis von wenigen Gehminuten ist damit für die meisten Haushalte in Ballungsräumen realistisch geworden.
Tipp: Standardlaufzeit statt Express
Express- und Sofortlieferungen verursachen laut Umweltbundesamt mindestens 60 Prozent mehr Emissionen als dieselbe Sendung in der normalen Laufzeit, weil sie sich nicht mit anderen Touren bündeln lassen. Für nahezu jede private Sendung ist die Standardvariante nicht nur günstiger, sondern auch deutlich sauberer. Was tatsächlich schneller sein muss, versenden Sie schnell - alles andere nicht.
Retouren: der Posten, der am schnellsten wächst
Jede Rücksendung verdoppelt die Transportstrecke und erzeugt zusätzlich Aufwand für Prüfung, Neuverpackung und Wiedereinlagerung. Und die Quoten steigen. Eine Analyse des IHaM zum Online-Shopping beziffert die Retourquote im Online-Handel für 2025 auf 57 Prozent, einen neuen Höchstwert. Im Modesegment schickt mehr als die Hälfte der Käufer zumindest einen Teil der Bestellung zurück, in 71 Prozent der Fälle wegen der falschen Größe. Rund 20 Prozent bestellen bewusst mehr, um vor Ort auszuwählen - bei diesen Sendungen ist der Rückweg von Anfang an eingeplant.
Der Zielwert des Umweltbundesamts liegt bei unter 10 Prozent Rücksendequote, also rund 40 Prozent weniger Retouren als heute. Wer als Verkäufer versendet, erreicht davon am meisten über bessere Größentabellen, ehrliche Produktfotos und maßgenaue Angaben. Wer als Privatperson zurückschickt, sollte zumindest die Originalverpackung wiederverwenden und mehrere Rücksendungen an denselben Händler gemeinsam abgeben. Welche Fristen und Rechte dabei gelten, steht im Beitrag zur Retoure und Rücksendung.
Kleiner packen senkt Emissionen und Porto gleichzeitig
Beim internationalen Versand und bei vielen Sperrgut-Tarifen wird nicht das reale Gewicht abgerechnet, sondern das Volumengewicht: Länge mal Breite mal Höhe in Zentimetern, geteilt durch 5.000. Ein Karton mit 60 mal 40 mal 40 Zentimetern wiegt vielleicht 3 Kilogramm, kommt volumetrisch aber auf 19,2 Kilogramm - und genau danach zahlen Sie. Luft im Paket kostet also doppelt: Sie treibt den Preis und belegt Laderaum, der sonst eine weitere Sendung aufnehmen könnte.
Das Umweltbundesamt sieht hier erhebliche Reserven: Knapp ein Drittel der Produkte könnte bis 2030 ohne zusätzliche Versandverpackung auskommen, indem die Produktverpackung selbst versandfähig gestaltet wird. Der Anteil an Mehrwegverpackungen soll im selben Zeitraum von unter 1 Prozent auf mindestens 11 Prozent steigen. Für den privaten Versand bleiben drei einfache Regeln: Karton auf die Größe des Inhalts bringen, gebrauchte Kartons ein zweites Mal verwenden und Papier statt Kunststoff als Füllmaterial nehmen. Wie Sie dabei trotzdem bruchsicher packen, zeigt der Beitrag Paket richtig verpacken.
Fünf Entscheidungen beim nächsten Versand
- 1Abholstation oder Paketshop als Zieladresse wählen - spart im Schnitt ein Viertel der Emissionen gegenüber der Haustürzustellung und verhindert erfolglose Zustellversuche. Bei 6.860 Paketboxen in Österreich ist meist eine in Gehweite.
- 2Standardlaufzeit buchen, wenn es nicht wirklich eilt - Express-Sendungen lassen sich nicht bündeln und verursachen mindestens 60 Prozent mehr Emissionen.
- 3Den Karton auf die Größe des Inhalts bringen - weniger Volumen bedeutet niedrigeres Volumengewicht, geringeres Porto und mehr Sendungen pro Fahrzeug.
- 4Mehrere Sendungen an denselben Empfänger zusammenfassen - zwei Pakete an eine Adresse verursachen mehr Emissionen als ein etwas größeres, weil jede Sendung einzeln sortiert, gescannt und übergeben wird.
- 5Beim Anbietervergleich nachsehen, worauf der Klimaanspruch beruht - ab 27. September 2026 muss zwischen eigener Reduktion und zugekaufter Kompensation unterschieden werden. Wer heute schon in Ihrer Stadt elektrisch zustellt, liefert die belastbarere Aussage.
Beim Porto und bei den Emissionen zeigt sich am Ende dieselbe Logik: Beides sinkt, wenn ein Paket klein ist, in einem Zug ankommt und nicht zurückgeht. Wie sich Preis, Laufzeit und Anbieter für Ihre konkrete Sendung verhalten, rechnen Sie im Tarifrechner durch - die Wahl der Zustelladresse treffen Sie dann direkt bei der Buchung.